Gesundheit/Körper/Seele

So what??
Wie Felicitas Weiß schreibt, ist es unerheblich, ob Alltags-Tipps „Gebote“ heißen, erheblich ist der Erkenntnisnutzen, der ja auch erhebend sein kann. So sind die zehn Zen-Tipps leicht lesbar: Eine Einführung bringt Verständnis für Zusammenhang und Zielstellung buddhistischen Denkens. Ohne feministisch sein zu wollen, finden sich doch solche Sätze, z.B. über die traditionell untergeordnete Rolle von Frauen: „So what? Auch ein Buddha kann sich mal täuschen. Die essenziellen Erkenntnisse ... verblassen angesichts patriarchalischer Irrtümer nicht ein bisschen in ihrer Bedeutung. Also nicht aufregen, sondern kritisch teilhaben. Erobern Sie sich den Buddhismus!“ Dazu helfen die 10 Regeln: 1: Du sollst im Hier und Jetzt leben; 2. Du sollst Achtsamkeit üben bei allem, was du tust; 3. Du sollst authentisch nach deinen Gefühlen leben; 4. Du sollst dich selbst lieben; 5. Du sollst lernen loszulassen; 6. Du sollst ehrlich sein zu dir und anderen; 7. Du sollst bewusst mit deinen Wünschen umgehen; 8. Du sollst Verantwortung für dich und die Welt übernehmen; 9. Du sollst dem Fluss des Lebens keinen Widerstand entgegen setzen; 10. Du sollst inneren Frieden finden. Info-Verweise am Schluss dienen dem Tun und Üben, das erst bringt die Bedeutung für die Einzelne. „So what?” fragt Weiß mehrmals: „Try out“, sage ich.
Katharina Prinzenstein

Felicitas Weiß: ZEN-Gebote für moderne Frauen. 144 Seiten, O.W. Barth, Frankfurt/M. 2008
EUR 10,20


Ist das Gute auf dieselbe Weise banal wie das Böse?
Ausgerechnet am Beispiel der Organspende verhandelt die Autorin die Frage nach der Natur der guten Tat. Nachdem sich Slavenka Drakulic in ihren letzten Büchern dem Krieg und seiner Auswirkung auf das Handeln der Menschen gewidmet hatte, veranlasste ihre persönliche Erfahrung als Empfängerin einer so genannten „altruistischen Organspende“ die Schriftstellerin, eine Recherche über die Beweggründe ihrer Spenderin und anderer OrganspenderInnen aufzunehmen. Eingebettet in eine Art Essay liegen mit dem Buch „Leben Spenden“ Berichte von zwölf der Gespräche vor, die Slavenka Drakulic seit ihrer Nierentransplantation mit vielen SpenderInnen geführt hat. „So fiel ich von einem Extrem ins andere: Zuvor hatte ich fünf Monate in Den Haag verbracht, um Angeklagten aus dem ehemaligen Jugoslawien vor dem Kriegsverbrechertribunal ins Gesicht zu sehen und ihre persönliche Geschichte aufzuschreiben. Menschen, die furchtbarer Taten beschuldigt wurden – Vergewaltigungen etwa, Mord. Ich hatte das Schlechte im Menschen gesehen; nun wollte ich mehr über das Gute lernen“, erklärt Slavenka Drakulic im Stern-Interview. Die Reflexion greift sehr viele spannende Fragen auf und stellt sie im Kontext jeder einzelnen Geschichte neu. Ist die Entscheidung der Spenderin/des Spenders wirklich frei? Welche Erwartungen knüpft sie an ihre Entscheidung? Sollten Spenden anonym sein oder persönlich? Ist die Empfängerin durch die Spende verpflichtet, beispielsweise zu Dankbarkeit oder Gesundheit, Kontakt etc.? Sie dreht und wendet die verschiedenen moralischen und ethischen Aspekte ihres Beispiels, verzichtet aber darauf, die Haltung, die sie entwickelt, zu verallgemeinern. „Leben Spenden“ ist nichtsdestoweniger, wie auch der Titel vermuten lässt, ein Plädoyer für die altruistische Organspende. Die Autorin hat sich vielfach dafür ausgesprochen, die Gesetzgebungen europäischer Länder, die die freiwillige Lebendspende vorwiegend verbieten, nach dem Vorbild der USA oder Schwedens zu verändern, und sogar den Handel mit Organen eher zu erlauben, als die PatientInnen, die ohne Organspende nicht überleben können, sterben zu lassen.
Miriam Wischer

Slavenka Drakulic: Leben Spenden. Übersetzt von Hainer Kober. 232 Seiten, Zsolnay Verlag, Wien 2008
EUR 18,40

Kräuterkunde
In diesem Bändchen erwartet eine vieles: eine Geschichte der Kräuterkunde, Tipps für den eigenen Kräutergarten, massenhaft Rezepte, Infos zur Naturheilkunde und zum Einsatz von Kräutern „im Haushalt“ (= Schädlingsbekämpfung und Kräuterkissen). Vieles ist ganz interessant, alle Informationen bleiben aber sehr an der Oberfläche. „Das alte Wissen der Kräuterfrauen“ wird leider nicht verraten, nur dass es ein solches gab und vieles verloren ging. Am praxistauglichsten sind noch die Rezepte: „Eichhörnchens Traum“ oder „Sauerampfer Pfannkuchen“ klingen immerhin neu. Die Tipps zur Naturheilkunde hingegen bleiben vage und beim Thema „Frauenkräuter“ hör ich dann zu lesen auf, denn schließlich werden Frauen „jeden Monat aufs Neue von schmerzhaften Krämpfen, Stimmungsschwankungen und Kräfte zehrenden Blutungen heimgesucht.[…]Das ist der Preis, den das weibliche Geschlecht zahlen muss, um Kinder zur Welt bringen zu können.“ Gegen derlei Unsinn ist kein Kraut gewachsen!
ESt

Susanne Grüning und Heike Schmidt-Röger: Das alte Wissen der Kräuterfrauen. Die wirksamsten Kräuter- und Heilrezepte. 224 Seiten, Piper, München 2008
EUR 6,20


Meine Meinung


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