Über das Unaussprechliche reden

In „Die Sprache verschlagen“ lässt Kathrin Berger fünf Frauen zu Wort kommen, die eine Vergewaltigung er- bzw. überlebt haben. Motiviert durch ihre eigene Erfahrung – Kathrin Berger wurde selbst einmal vergewaltigt – wollte die Autorin einen Ratgeber herausbringen, in dem Betroffene über ihren persönlichen Verarbeitungsprozess und ihre Bewältigungsstrategien sprechen, um Frauen, die vergewaltigt wurden, Mut zu machen, über das Erlebte zu sprechen. Über die Vergewaltigung zu reden ist in unserer Gesellschaft ein Tabu, das zu brechen großer Überwindung bedarf. Neben dem Unverständnis, das einer Frau nach ihrem „Outing“ entgegengebracht wird, ist es häufig auch die Unfähigkeit des Umfeldes, mit der erzählten Tatsache umzugehen. Fast jede der fünf Frauen erzählt, dass sich FreundInnenschaften und Beziehungen vollkommen veränderten, nachdem sie von der Vergewaltigung erzählt hatten. Vermeintlich beste Freundinnen distanzierten sich, Partner „hielten die Belastung“ nicht aus und machten sich aus dem Staub. Weniger enge Freundinnen hingegen verhielten sich verständnisvoll und offen und wurden zu wichtigen Bezugspersonen. Die oft sehr berührenden Erzählungen zeigen sehr unterschiedliche Wege auf, wie Frauen mit einer derartigen Gewalterfahrung umgehen und wie sie – manchmal leichter, manchmal schwerer – wieder in eine Normalität zurückfinden, die das Erlebte erträglich macht.
Klara Weiss

Kathrin Berger: Die Sprache verschlagen. Frauen berichten vom Leben nach einer Vergewaltigung. 158 Seiten, eFeF-Verlag, Bern/Wettingen 2008
EUR 18,50

Zufluchtsorte
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Vereins Wiener Frauenhäuser erschien im Mandelbaum Verlag der Sammelband „Am Anfang war ich sehr verliebt“. Vor allem Bewohnerinnen der Wiener Frauenhäuser kommen darin zu Wort. Sie erzählen von ihren Gewalterfahrungen, den Eindrücken, die das Frauenhaus, die Mitarbeiterinnen und Mitbewohnerinnen auf sie machten, von den Schritten, die sie unternommen hatten, um sich und die Kinder vor der Gewalt durch den Partner zu schützen. Auch die Sicht der Kinder wird miteinbezogen: In einigen Beiträgen berichten Kinder unterschiedlichen Alters, wie sie sich im Frauenhaus fühlen, wie sie mit den Umstellungen in ihrem Leben zurechtkommen und was sie sich für die Zuk.
Paula Bolyosunft wünschen. Und schließlich berichten auch Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser: von ihrer Arbeit, ihrem Umgang mit der Gewalt, der Geschichte der Frauenhäuser und politischen Notwendigkeiten. Neben der Bedeutung, die die Erfahrungsberichte von Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, an sich haben, dokumentiert das Buch anschaulich die wichtige und unentbehrliche Arbeit, die von den Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser geleistet wird. Nicht erst jetzt ist es höchste Zeit, Frauenhäuser als das anzuerkennen, was sie sind: Opferschutzeinrichtungen, mit denen auch staatliche Institutionen kooperieren müssen, wenn Beseitigung der häuslichen Gewalt ein parteipolitisches Ziel sein soll

Karin Berger und Andrea Brem: Am Anfang war ich sehr verliebt.
Frauen erzählen von Liebe, Gewalt und einem Neubeginn im Frauenhaus. 195 Seiten, Mandelbaum, Wien 2008
EUR 19,90

Meine Meinung


© Verein Freundinnen der Buchhandlung Frauenzimmer
Webmasterin: buchhandlung@frauenzimmer.at