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Puppenspiele
Nach
Elchbrüdern, Schafen und Wölfen kommt dieses Bilderbuch von
Pija Lindenbaum ganz ohne Getier aus. Diesmal geht es um einen kleinen
Jungen, der von seinem Papa und seinen Kumpels immer zu wilden „Buben“-Spielen
animiert wird, der aber eigentlich auch gern mal mit Puppen spielen
würde. So kann Paul zum Beispiel super Fußballspielen, aber
desh alb
will er nicht immer nur das tun. Mit seiner Barbie kommt er erstmal
weder bei den Buben noch den Mädchen im Kindergarten gut an, aber
Paul ist recht hartnäckig. Vielleicht wird das Buch ja zum Ausgangspunkt
für Gespräche über Geschlechterrollen – daheim
wie im Kindergarten!
ESt
Pija
Lindenbaum: Paul und die Puppen. Übersetzt von Birgitta
Kicherer. Beltz und Gelberg, Weinheim/Basel 2008. Ab 4 J.
EUR 13,30

Nervig
Line
und Fred sind befreundet. Line ist ein kleines Mädchen mit frechen
Zöpfen, Fred ist ein großer, dicker Teddy. Line will am liebsten
spielen. Fred Zeitung lesen. Dann kann Line ziemlich nerven. Also streiten
die zwei auch schon mal. Kommt das Eltern bekannt vor? Mir schon. Fred
und Line finden schließlich eine Lösung, mit der sie beide
zufrieden sind: vormittags wird gespielt, nachmittags darf Fred in Ruhe
lesen. Das klappt dann gut – zumindest meist! Witzige Illustrationen.
Den knappen Text kann eineR auch sehr jungen Kindern schon vorlesen.
Am besten gefiel aber der sehr entspannte Umgang mit einem nervenaufreibenden
Thema.
ESt
Dagmar Geisler: Ich kann dich ziemlich gut leiden. Thienemann,
Stuttgart/Wien 2008. Ab 3 J.
EUR 12,30

Sehr britisch
Lucy
ist Kindermädchen im Hause des Magiers Dr. Dee, der am Hof von
Königin Elizabeth I. eifrig daran arbeitet, den Stein der Weisen
zu entdecken. Gemeinsam mit seinem Gehilfen schreckt er dabei auch nicht
vor kriminellen Machenschaften zurück. Lucy ist gleich mehrfach
gefordert, so vereitelt sie nicht nur einen Coups des Magiers, sondern
wird, nachdem sie die Königin schon einmal vor einem Mordanschlag
gerettet hat, auch beauftragt, die Hofdamen im Auge zu behalten, da
eine neue Verschwörung vermutet wird. Lucy hält also Augen
und Ohren offen, obwohl sie als Kindermädchen auch schwer im Haushalt
mitarbeiten muss. Doch die Arbeit ist ihr gleichzeitig auch immer wieder
Tarnung, eine einfache Angestellte beachtet keineR. Realistisch und
magisch, spannend und ein klein wenig romantisch sind Mary Hoopers historische
Romane die idealen Schmöker für LiebhaberInnen der elisabethanischen
Zeit.
ESt
Mary Hooper: In königlichem Auftrag. Übersetzt
von Marlies Ruß. 277 Seiten, Bloomsbury, Berlin 2008. Ab 12 J.
EUR 15,40
Reiselustig
Millie ist in den letzten Jahren schon weit gereist, nach New York,
London oder Mallorca. Diesmal fährt sie mit ihrer Mutter, die Reisereportagen
schreibt, nach Moskau – und das im tiefsten Winter. Sie besuchen
Sehenswürdigkeiten und das Theater, lernen die Stadt aber auch
beim Eislaufen und die Menschen auf einem Geburtstagsfest näher
kennen. Einzig U-Bahn-Fahren ist wegen der „Korallenschrift“
ziemlich kompliziert. Mit viel Sprachwitz – Millie versteht die
russischen Wörter immer als verdrehte deutsche – zeichnet
die Autorin ein sehr einladendes Bild der russischen Hauptstadt, versucht
Klischees zu entkräften und doch Typisches zu beschreiben. Sehr
empfehlenswert – auch zum Vorlesen!
ESt
Dagmar Chidolue: Millie in Moskau. Illustriert von
Gitte Spee. 176 Seiten, Dressler, Hamburg 2008. Ab 8 J.
EUR 12,40

Politisch
Wenn
Francine wütend ist, zeigt sie es nicht. Ärgerphobie hat sie
und wenn ihr Vater sich nicht für sie interessiert, ihre Schwester
sie herumkommandiert oder ihre beste Freundin Sophie ungerecht behandelt
wird, wehrt sie sich nicht und hält sich raus. Sophie ist da ganz
anders: Sie sagt, was sie denkt und sie traut sich auch zu fragen, ob
KommunistInnen nicht auch einfach nur Menschen sind, wie alle anderen.
Zu Beginn der 1950er Jahre, als sich in den USA unter anderen der republikanische
Senator Joseph McCarthy zum Ziel setzte, eine „kommunistische
Verschwörung“ aufzudecken, waren solche Fragen allerdings
gefährlich. Karen Cushman beschreibt die McCarthy- Ära aus
Sicht einer Jugendlichen. Dabei gelingt es ihr nicht nur, Politik für
Kinder und Jugendliche nachvollziehbar und spannend zu erzählen,
sondern auch, die Bedeutung des eigenen Engagements für politische
Veränderungen hervorzuheben, ohne belehrend zu wirken.
Paula Bolyos
Karen
Cushman: Das laute Schweigen der Francine Green. Roman.
Übersetzt von Alexandra Ernst. 304 Seiten, dtv, München 2008.
Ab 12 J.
EUR 9,20

Gefährlich im
Netz
Ein
sehr wichtiges Thema, nämlich virtueller Missbrauch und sexuelle
Gewalt im Internet wird mit pädagogisch erhobenem Zeigefinger abgehandelt.
Daher wirkt das Buch recht anbiedernd – vielleicht auch dadurch,
dass die Autorin viele Jahre vor der Chat-Generation geboren wurde.
Als Ratgeber wäre es ganz gut, aber wieso ist es dann nicht gleich
als solcher gestaltet? Fazit bzw. Schluss der Story ist, dass der Computer
nicht im Mädchenzimmer stehen soll, sondern sonst wo: quasi unter
elterlicher Beobachtung, offenbar ausgehend von der Annahme, dass Jugendliche
nie allein zu Hause sind…
prosa
Caja Cazemir: Riskanter Chat. Übersetzt von
Sonja Fiedler- Tresp. 157 Seiten, Klopp, Hamburg 2008. Ab 13 J.
EUR 10,30
Meine Meinung
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