Lesbenromane

Lesben HerzSchmerz
Eine PartnerInnenagentur mit dem vielversprechenden Namen „Dein Herz sei mein“ ist das Setting des mittlerweile vierten ins Deutsche übersetzten Romans der „Queen of Lesbian Romance“ Karen Kallmaker. Melissa Chabot betreibt diese Agentur gemeinsam mit einer Freundin und bräuchte doch selbst die Dienste ihrer eigenen Firma. Da soll eine Schiffsreise in die Südsee, von ihrer Mutter spendiert, Abhilfe schaffen. Diese Abhilfe ist originell konstruiert, mit Schiffsunglück, Rettung, Liebesfreud und -leid und verspricht so einen netten Abend am fiktiven Kamin für die geneigte Leserin. Die zynischere Leserin lässt Kallmakers neuer Roman nachdenken, wieso das „beliebteste“ Trauma im Lesbenroman, der sexuelle Missbrauch, nun abgelöst wird von anderen Traumen, wie z.B. in diesem Roman; und welche Firmen unsere tüchtigen lesbischen Heldinnen demnächst aufmachen werden... Aber da das Buch in der gewohnt stilsicheren Übersetzung von Andrea Krug erscheint, wird es wie bei den letzten drei Bänden sicher wieder zu Recht die lesbischen Gabentische zieren!
HW

Karin Kallmaker: Dein Herz sei mein. Roman. Übersetzt von Andrea Krug. 314 Seiten, Krug & Schadenberg, Berlin 2008
EUR 17,40

Deutsch-Libanesisches Märchen
Dass hier verschiedene Geschichten ineinander verwoben sind, zeigt sich schon grafisch. Da ist das libanesische Märchen von Fatina, das die Großmutter erzählt, aber nicht beendet hat. Dessen Texthintergrund grau und mit Kalligrafien bedeckt ist. Und dann ist da die Geschichte von Mara-Marie, einer Künstlerin mit deutscher Mutter und libanesischem Vater, die sich in die jüngere Fatina verliebt. Und es gibt auch immer wieder den „kursiven“ Blick von außen, (spricht ein Derwisch?), der Erklärungen zum Schreiben von Andrea Karimé gibt. Letztere müssten nicht sein, liest eine doch, wie sie schreibt. Und das kann sie ja doch ganz gut. Auch wenn eine ein wenig enttäuscht ist vom Ende des Märchens, so findet sich doch oft sprachlich Schönes in den Gedanken von Mara-Marie. Und packend wird das Ganze sowieso, wenn irgendwo um Seite 50 von einem Geheimnis gesprochen wird.
Jenny Unger

Andrea Karimé: Fatina. Die Anziehung. 220 Seiten, Konkursbuchverlag Claudia Gehrke, Tübingen 2008
EUR 10,20

Ladyzz
Nur zum Wohl ihres Landes wird Lady Isabelle von Chester den Sohn des Earls von Yorkshire ehelichen, denn sie hasst diesen brutalen und rücksichtslosen Brian Caddington. Und zu Recht, denn sein einziges Ziel ist es, an ein geheimnisvolles Amulett heranzukommen, das sich in Lady Isabelles Besitz befindet. Ein Glück, dass sie am Tag ihrer Verlobung am 2. Mai 1215 den ehrenhaften Ritter Ross kennen und lieben lernt. Ritterin Rose – wie sich recht schnell herausstellt. Lady Rose - ebenfalls ganz dem Wohl ihres Landes ergeben, nur im Gegensatz zu Lady I schwertschwingend unterwegs – wird retten, was an Gutem in der Welt zu retten ist und glückliche Amazonen werden England unterwandern. Wenn Letzteres auch das Wunschdenken der Rezensentin wiedergibt – der Roman macht, obwohl oder vielleicht weil einfach gestrickt, richtig froh. Ein wunderbarer, liebenswürdiger Lesbenkitschroman zum Wohlfühlen.
Paula Bolyos

Hanna Friedrich: Das Erbe der Lady Eleanor. Roman. 280 Seiten, Krug & Schadenberg, Berlin 2008
EUR 17,40

Transgender Politics
Leslie Feinberg – Kultautor von „Stone Butch Blues“ – veröffentlichte diesen Herbst sein neues Buch mi
t der Hauptfigur Max, die jede Nacht als Butch-Türsteher*in in einer Queer-Bar in New York arbeitet. Dort ist die Welt der Drag Kingz, Trans- Menschen und Crossdresser. Die Erzählung beginnt mit der Ermordung von Max’ Arbeitskollegin Vicki, die sich auch als Transgender definierte. Dann muss auch noch Max’ HIV-positive Freundin Ruby ins Krankenhaus. Die Lesenden werden sofort in den Sog der Handlung gezogen. Für Max wird dies zum Anlass, wieder aus dem Stillstand herauszutreten, politisch aktiv zu werden und gegen Diskriminierungen, Gewalt und Vorurteile gegenüber „Gender Benders“, die heute nach wie vor extrem bedrohlich werden können, anzukämpfen. Mit diesem Buch wurde eine weitere wichtige Thematisierung des Aufbrechens einer zweigeschlechtlichen Ordnung, die rigide auf die Einteilung von Menschen in Frauen und Männer beharrt, geliefert. Die Geschichte von Max und seiner Wahlfamilie, einer polysexuellen queeren Gemeinschaft, bringt Einblick in Lebensrealitäten abseits der Heteronorm. Ein großartiges Buch!
Dominika Krejs

 

Leslie Feinberg: Drag King Träume. Übersetzt von Ekpenyong Ani. 336 Seiten, Querverlag Berlin 2008
EUR 20,50

 

Sexuelle Abenteuer…
Die fünfte Ausgabe des Sexgeschichten-Sammelbands „Bisse und Küsse“ deutet darauf hin, dass Interesse an diesem Genre besteht. Was gibt es denn auch Schöneres als die sexuelle Wirkung erotischer Geschichten? In etwa die Hälfte der Erzählungen dieses Werkes funktioniert auch dementsprechend gut bzw. hat etwas Prickelndes und zieht die Leser*in in ihren Bann. Ich freute mich z.B. über jene von der verschleierten Frau in Kairo, die sich im Hotel den Delphin- Dildo ihrer Nachbarin „entführen“ lässt. Ein Kick auch bei der Geschichte über den Sex mit einer Kriminellen im Nachtzug. Aufgeladene „Vibes“ beim Tango-Tanzen oder realistische Sex-Tagträume sind weitere interessante Elemente der Geschichten. Tendenziell findet sich ein Hang zum Pathos in vielen Ausdrucksweisen und an ein paar Stellen war mir der Ablauf des Geschehens nicht erfassbar. So z.B. in der Geschichte einer Liaison mit einer Kfz- Mechanikerin mit ausführlichen Ausführungen zu diversen Autos. Mühsame Längen führen in solchen Fällen zu einem zähen Leseprozess. Im Gesamten betrachtet aber eine heiße Empfehlung für „Bisse und Küsse“!
Dominika Krejs

Bisse und Küsse 5. Sexgeschichten. Hg. von Corinna Waffender. 192 Seiten, Querverlag, Berlin 2008
EUR 15,40

 

Sex und drüber sprechen
„Let’s talk about sex“ – diese schöne Aufforderung bringt manche zum Verstummen. Nicht jedoch die mittlerweile siebente Auflage des „Lesbischen Auges“, die sich mit der üblichen Verve mitten hinein ins lesbische Liebesgeplaudere stürzt. Wie reden wir über Sex? Wie benennen wir unsere Körper, die Körper der anderen? Sprechen wir heute anders als früher? Sagen wir: Busen, Möpse, Tittis, Titten oder Glocken? Möse, Muschi, Blümchen, Yoni oder Mimi? Vögeln, ficken oder poppen wir? Machen wir Liebe, knattern wir oder folgen wir der Stimme der Natur? Viele Worte für „das Eine“ – und um dieses „Eine“ ziehen Erzählungen, Interviews, Fotografien, Gedichte, Zeichnungen ihre Kreise. Auf diesen Umlaufbahnen berühren die diversen Beiträge auch allerlei andere Themen des lesbischen Kosmos: Schönheitsideale bei Lesben, Sextechniken, Beziehungsformen, Herkunfts- und Altersunterschiede, Begegnungen und Trennungen. Und das bietet ein durchaus anregendes Kaleidoskop lesbischer Vielfalt. Also: „Let’s talk about Sex!“
Elke Koch

Mein lesbisches Auge 7. Hg. von Laura Méritt. 255 Seiten, Konkursbuchverlag Claudia Gehrke, Tübingen 2008
EUR 15,–

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