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Demokratie
und politische Partizipation
Das Verhältnis von Geschlecht und Demokratie ist Thema dieses Sammelbands,
in dem sich rund zwanzig Beiträge mit der (Re-)Produktion geschlechterhierarchischer
Verhältnisse in und durch politische(n) Institutionen, Strukturen
und Prozesse( n) auseinandersetzen. Das sowohl disziplinär als
auch von den feministischen Zugängen her vielfältige Buch
widmet sich im ersten Teil grundsätzlichen Überlegungen zum
Verständnis des Politischen und daraus ableitbaren Demokratiekonzepten
(Treusch- Dieter; Mouffe; Ambros; Günter) sowie der Ausblendung
der ökonomischen Voraussetzungen für demokratische Partizipation
(Gubitzer). Einem ahistorischen Demokratieverständnis entgegenwirkend
thematisieren die Autorinnen des zweiten Teils die Notwendigkeit eines
geschichtsbewussten Umgangs mit dem „Versprechen von Freiheit
und Selbstbestimmung“ (Goodman-Thau), diskutieren Demokratie im
Kontext von sozialistischer Geschichte (Haug) und Parteiengeschichte
(Ellmeier), und stellen (wieder) Zusammenhänge zwischen Demokratie
und Kunst (Samsonow) bzw. Psychoanalyse (Moré) her. Unter dem
Titel „Kritische Vergegenwärtigung“ finden sich im
dritten Teil Beiträge, die sich mit demokratischer Teilhabe im
Zusammenhang mit der Frage nach Kollektivität und Differenzen auseinandersetzen.
Diskutiert wird die Konstruktion von Demokratie in der Überschneidung
von „Rassifizierung“, Geschlecht und Klasse (Eggers) bzw.
ihre Instrumentalisierung als populistische Integrationsmaßnahme
(Caixeta und Cepek-Neuhauser). „Genderismus“ und Postmoderne
werden als Schwächung kollektiver Handlungsstrategien kritisiert
(Trallori; Soiland; Werlhof). Demgegenüber verortet der vierte
und letzte Teil des Buches positive Zukunftsentwürfe in einer differenzierteren
Auseinandersetzung mit queer-theoretischen Zugängen (Perko) und
der Anerkennung der Vielfalt kultureller Praktiken gesellschaftlicher
Teilhabe (Isop) sowie von Pluralitäten und Konfrontationen zwischen
Frauen (Krondorfer; Baghajati).
Doris Allhutter
Frauen und Politik. Nachrichten aus Demokratien. Hg.
von Birge Krondorfer, Miriam Wischer und Andrea Strutzmann. 244 Seiten,
Promedia, Wien 2008
EUR 17,90

Gender/Politik
Im Zentrum dieses Bandes steht die Frage, was aus der Politik der Frauenbewegung,
aus feministischer Politik geworden sei. Sind Instrumente wie das inzwischen
in der EU verbindliche Gender Mainstreaming Zeichen ihres Erfolges?
Oder handelt es sich dabei vielmehr um eine Verschleierungsstrategie,
um ein neues, neoliberalen Verhältnissen angepasstes Vokabular,
in dem Hierarchien, Gewalt und Ausbeutungsverhältnisse zwischen
den Geschlechtern nicht mehr benannt werden müssen, wie dies Alexandra
Weiss postuliert? Die Autorinnen dieses Sammelbandes fragen aus unterschiedlichen
Perspektiven, wie mit „Gender“ Politik gemacht wird. Untersucht
werden grundsätzliche begriffspolitische Fragen (Tove Soiland),
aber auch empirisch-praktische Fragen wie jene nach dem konkreten Zusammenspiel
zwischen dem Staatsapparat und den Forderungen der Frauenbewegung (Heike
Weinbach). Thema sind unter anderem auch die Bedeutung interkultureller
Perspektiven im Zusammenhang mit Gender Mainstreaming (Leah Carola Czollek),
die Frage nach Rechtsinstrumenten, die staatliche Eingriffe in Gewaltverhältnisse
in ‚privaten’ Beziehungen ermöglichen (Karin Neuwirth)
oder die Neubewertung von Arbeit und den mit ihr verbundenen Genderkonstruktionen
im Zusammenhang mit der Verbreitung neuer Technologien (Manuela Barth
und Barbara U. Schmidt). Angelika Wetterer greift am Ende ihres Beitrages
das an anderer Stelle formulierte Bild auf, in dem Gender Mainstreaming
als „Trojanisches Pferd“ erscheint. Der pessimistischen
Interpretation stellt sie – als Gedankenexperiment – eine
optimistische Variante gegenüber: wenn das mit modischen Begriffen
wie Qualitätssicherung und Personalentwicklung geschmückte
Pferd erst in der Institution drinnen sei, werde die Gleichstellung
der Geschlechter herausspringen. Ihrem Zweifel wie ihrer Hoffnung ist
zuzustimmen.
Johanna Gehmacher
Alles Gender? Feministische Standortbestimmungen. Hg.
von Maria Buchmayr. 232 Seiten, Studien Verlag, Innsbruck 2008
EUR 26,90

Autonomie oder Institution? 
Die Geschichte der Neuen Frauenbewegungen ist auch eine des Konflikts,
ob innerhalb von Institutionen oder in Autonomie mehr bewegt werden
kann. Stefanie Ehmsen geht der Frage nach, wie die Frauenbewegungen
der BRD und der USA den Prozess der Institutionalisierung gegangen sind
und mit welchen Ergebnissen. Die deutsche Frauenbewegung tendierte generell
eher Richtung Autonomie, während in den USA der Weg viel früher
in die Institutionen führte. Ehmsen leistet schon zu Beginn ihrer
Arbeit in der Charakterisierung der Frauenbewegungen der beiden Länder
einiges an Grundlagenarbeit. Weiters untersucht sie die Möglichkeitsstrukturen
der Bewegungen im Rahmen von Affirmative Action in den USA und Quotierungs-
und Gleichstellungspolitik in der BRD. Mit Hilfe von Theorien der Sozialen
Bewegungsforschung analysiert sie dann die Institutionalisierungsprozesse
am Beispiel der Berufsfeuerwehren in New York City und Berlin sowie
an den Beispielen Women’s Studies bzw. Frauenforschung an Universitäten
derselben Städte. Quoten und Gleichbehandlungsgesetzgebung erweisen
sich als hilfreich, wenngleich tradierte Berufskulturen tatsächliche
Fortschritte stark bremsen. Öffentliche Unis zeigen in den USA
eine weit größere Öffnung für feministische Inhalte
als private Einrichtungen. Das reine Vorhandensein von Frauenforschung
täuscht manchmal über das (bewusste) ressourcenmäßige
Knapphalten der entsprechenden Institute hinweg, siehe Teilzeitprofessuren
an der HU Berlin.
ESt
Stephanie
Ehmsen: Der Marsch der Frauenbewegung durch die Institutionen. Die
Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik im Vergleich. 298 Seiten,
Westfälisches Dampfboot, Münster 2008
EUR 30,80

Argumentationsmaterial
Die Publikation zweier Studien über Pädaks bzw. Pädagogische
Hochschulen sowie die Johannes Kepler Universität Linz bietet sehr
viele Zitate, Aspekte und Argumente für den geschlechtersensiblen
Sprachgebrauch. Vor allem die kritische Darstellung der immer wieder
auftauchenden Gegenargumente ist sehr hilfreich für alle, die des
Öfteren in die Lage kommen, den geschlechtersensiblen Sprachgebrauch
zu diskutieren. Hinterfragt wird auch, ob die Verwendung des Binnen-I
und entsprechender Sprachformen, die ursprünglich politisch provokant
gewirkt haben, inzwischen nicht teils dazu verwendet wird, politische
Korrektheit vorzutäuschen. Erika Hasenhüttl und Angelika Paseka
filtern dazu aus eigenen, etwas älteren Forschungsarbeiten über
den tertiären Bildungssektor die Daten heraus, die sich auf den
Sprachgebrauch beziehen, und stellen einleitend dazu eine komprimierte
Darstellung der Macht der Sprache in verschiedenen Zusammenhängen.
Martin Heinrich untersucht Einstellungen, Begründungen und Reaktionsformen
zum Thema geschlechtersensibler Sprachgebrauch. Neben der detaillierten
Erklärung der Erhebungsmethode, die auch wieder gute Argumente
für die Diskussionspraxis bringt, arbeitet er vor allem Argumentationsmuster
heraus, die die kritische Analyse der Interviews von 21 Studierenden
abschließen. Er belegt damit eindringlich die Schwierigkeiten,
die der Implementierung einer Idee der Gleichberechtigung samt entsprechendem
Sprachgebrauch in unserer Gesellschaft immer noch entgegenstehen. prosa
Martin Heinrich, Erika Hasenhüttl und Angelika Paseka: Mit dem
großen “I” die Frauen betrügen? Zwei Studien
zum geschlechtersensiblen Sprachgebrauch in tertiären Bildungseinrichtungen
Österreichs.
prosa
Martin
Heinrich, Erika Hasenhüttl und Angelika Paseka: Mit dem großen
“I” die Frauen betrügen? Zwei Studien zum
geschlechtersensiblen Sprachgebrauch in tertiären Bildungseinrichtungen
Österreichs. 140 Seiten, Monsenstein
und Vannerdat, Münster 2008
EUR 12,90

Die Eier des Staatsoberhaupts
Luise F. Pusch setzt sich seit fast 30 Jahren mit der deutschen „Männersprache“
auseinander; 1982 veröffentlichte sie ihre erste feministisch-linguistische
Glosse „Die Menstruation ist bei jedem ein bißchen anders“.
Auf diese folgten zahlreiche weitere, und ein Teil davon ist in diesem
Buch zusammengefasst. Humorvoll und zugespitzt übt die Autorin
feministische Sprachkritik und zeigt durch zahlreiche Beispiele die
Absurdität von gängigen Redeweisen und Argumentationen auf.
Dabei werden alte Bilder zerstört und/oder vervollständigt
und damit die Gleichsetzung von Mann und Mensch dekonstruiert. Pusch
möchte zu Debatten anregen – dies macht sie in ihrem Text
„Gender – wer braucht es und wozu?“ explizit. Und:
Sie engagiert sich gegen das Verschwindenlassen und blinde Flecken.
Den Grund dafür bringt sie auf den Punkt: Frauen wollen sprachlich
gewürdigt werden und sprachlich sichtbar sein. Daher ist das Buch
geeignet für ein erstes Hineinschnuppern in feministische Sprachkritik,
aber auch Leserinnen, für die das Thema nicht mehr ganz so neu
ist, werden vielleicht das eine oder andere Aha-Erlebnis haben.
Susanne Kimm
Luise F. Pusch: Die Eier des Staatsoberhaupts und andere Glossen. 144
Seiten, Wallstein Verlag, Göttingen 2008
EUR 10,20

Teilnahme und Abstand
Zwei ausgezeichnete Autorinnen, die Psychoanalytikerin und Literaturtheoretikerin
Julia Kristeva und die Philosophin und politische Theoretikerin Hannah
Arendt geben sich ein „Stelldichein“. Doch Halt! Hannah
wird uns präsentiert durch die Brille von Julia. Das scheint bedeutungsvoll,
da erstere von der Psycho- Analyse nicht viel hielt, denn sie setzte
auf die Urteilskraft. Umgekehrt ist Julia ebenso eine Philosophin, getrieben
wie Hannah vom „Verstehen wollen“. Diese anspruchvollste
aller reflektorischen Bemühungen kommt nur dann ohne individuell
ideologische Verzerrung aus, wenn Selbstdistanz und eine unarrogante
Souveränität, also Vorurteilslosigkeit Voraussetzung wie Ziel
sind. Für Kristeva macht die Seele handlungsfähig, Arendt
ist die Verfechterin des politischen Handelns in Verschiedenheit. A.
begründet dies durch die Geburtlichkeit, K. durch ungedachte Konzepte
von Mütterlichkeit. Beides impliziert die Einsicht in Abhängigkeiten
und Konfliktuöses, die Freiheit erst ermöglichen. Wie Julia
sich der vita activa und contemplativa von Hannah mimetisch und gleichsam
distanziert nähert, lässt sich nicht einfach nacherzählen,
denn die Beidseitigkeit eines begehrenden Denkens kann nur selbst erlesen
werden. Da verblassen alle heutigen Exzellenzkriterien für Wissenschaft.
Ein wunderbar wissendes Buch von einer über eine Ebenbürtige.
Birge Krondorfer
Julia
Kristeva: Das weibliche Genie. Hannah Arendt. Übersetzt
von Vincent von Wroblewsky. 388 Seiten, Europäische Verlagsanstalt,
Hamburg 2008
EUR 25,70

Verlängerter Arm der Frauenbewegung
Standing Ovations für Johanna Dohnal. Die erste Frauenministerin
Österreichs bewegt noch immer, mischt sich ein, sorgt für
Aufklärung und Aufregung und teilte zuletzt im Wintersemester 2006/07
an der Universität Innsbruck als Gastprofessorin ihre Erfahrungen
als aktive Politikerin mit Studierenden. Das Besondere an Johanna Dohnals
politischer Karriere ist nicht nur die Tatsache, dass sie die erste
Frauenministerin war, sondern gerade auch wie sie diese Funktion erfüllte:
Erstmals und seither nie wieder in dieser Konsequenz war die autonome,
feministische Frauenprojekte-Szene in die Arbeit eingebunden. Dohnal
betrachtete die NGOs als wichtige Unterstützerinnen und kritische
Instanz zugleich: „Ich habe mich immer als verlängerter Arm
der Frauenbewegung in dieser Regierung und auch in meiner Partei verstanden.“
Als spätestens zu Beginn der 1990er Jahre durch Konjunktureinbrüche
Geschlechterpolitik zum Luxus wurde und eine Politik der Absicherung
des Bestehenden Einzug hielt, „geriet das leidenschaftliche Aufeinanderbezogensein
ins Stocken“, schreiben die Herausgeberinnen. 1995 schließlich
legte Johanna Dohnal alle politischen Funktionen nieder, beugte sich
dem Wunsch der Parteispitze – rückblickend war sie zu loyal,
„würde mir heute weniger gefallen lassen“, wird sie
nicht müde zu betonen. Diese selbstkritische Distanz, die ehrliche
Einschätzung politischer (Un)Möglichkeiten, die schonungslose
Schilderung der vielen Kämpfe auch innerhalb der eigenen Partei
und sogar Frauenorganisation machen Dohnals Ausführungen zu 30
Jahren Frauenpolitik so spannend zu lesen. Ganz abgesehen von den vielen
Fakten zu Familienrecht, Eherecht, Gewaltschutz, Fristenlösung
usw. die hier zusammengetragen wurden. Basisliteratur für feministische
Grundausbildung!
Gabi Horak
Johanna
Dohnal – Innensichten österreichischer Frauenpolitiken.
Innsbrucker Vorlesungen. Hg. von Erika Thurner und Alexandra Weiss.
228 Seiten, Studien Verlag, Innsbruck 2008
EUR 17,90

Gabe statt Profit
Das
Vergeben wird meist moralisch als Zurückweisung der Vergeltung
und des Zurückzahlens verstanden. Die vorliegenden Analysen jedoch
weisen darauf hin, dass Vergeben eigentlich die psychische Manifestation
des in unserer Kultur abhanden gekommenen Schenkprinzips ist. „Es
geht um einen Wechsel in unseren Werthaltungen, in unserer Einstellung
zum Schenken, in unserem Theorie, Religion 5 Verhältnis zu Schuld.“
Der Kapitalismus gründet auf dem Tauschprinzip, welches das mütterliche
Schenkprinzip verdrängt hat. Der Tausch als eine bestimmte Form
materialisierter Kommunikation hat sich aus der Enteignung des mütterlichen
Ortes durch die Söhne platziert („Old Boys Network“),
hat weltweit die Lebensberechtigung („zu existieren verdienen“)
maskulinisiert durch die Prolongierung der Selbstähnlichkeit. Diese
lässt eine Sorge um andere außen vor und hat eine entfremdete
Nicht-Gemeinschaft produziert. Der Tauschwert als einziger Wert erfordert
uneingesehen seinerseits die von Frauen geschenkte Arbeit, durch die
er profitieren kann. Mit tief greifenden Kenntnissen (u.a. Sprach- und
Marxismustheorien, Bedürfnis-, Konsum- und Repräsentationskritik)
wird die Ideologie der vorherrschenden Ökonomie dekonstruiert hin
zu einer Utopie eines gelingenden Lebens für alle. Schenken statt
Berechnung. Dieses umfassend kulturkritische Werk ist selbst ein Geschenk.
Birge Krondorfer
Genevieve Vaughan: For-Giving. Schenken und vergeben.
Eine feministische Kritik des Tauschs. Übersetzt von Gabriel Kuhn.
441 Seiten, Ulrike Helmer, Königstein/T. 2008 EUR 37,10

Grandes Dames
Entstanden ist diese Publikation aus zwei Forschungskolloquien im Sommersemester
2005 und im Wintersemester 2005/06 des Zentrums für Interdisziplinäre
Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) an der Technischen Universität
Berlin sowie aus einer Ringvorlesung zum Thema „Technologien des
Geschlechts“ im Wintersemester 2006/07. Die beiden Herausgeberinnen
waren am ZIFG wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und haben nun einen
Sammelband zusammengestellt, in dem namhafte – auch internationale
– Forscherinnen Theorien und Analysen zur Kategorie „Geschlecht“
in den Natur- und Ingenieurwissenschaften vorstellen. Im ersten Teil
des Buches stellen Heike Wiesner, Judy Wajcman und Karin Zachmann die
Theorieund Methodenvielfalt im Forschungsfeld „Gender Studies
in den Technikwissenschaften“ vor, Sabine Maasen analysiert die
Formen der Vermarktung transdisziplinärer Forschung, Karin Esders
fokussiert die medienwissenschaftliche Geschlechterforschung. Im zweiten
Teil des Buches werden Ergebnisse aus aktuellen Forschungsarbeiten präsentiert:
Tanja Paulitz, Londa Schiebinger und Kerstin Palm interpretieren historisches
Material, wie die ersten wissenschaftlich orientierten Lehrbücher
im Maschinenbau aus dem 19. Jahrhundert, die Rolle von Pflanzen im Kontext
kolonialer Herrschafts- und Machtbeziehungen und naturphilosophische
Schriften des 18. Jahrhunderts aus der Geschlechterperspektive. Wendy
Faulkner, Esther Ruiz Ben und Bärbel Mauss analysieren hingegen
Gegenwärtiges, wie die Definition von beruflicher Identität
von BauingenieurInnen aus Großbritannien, die bundesdeutsche IT-Branche
und den molekularbiologischen Ansatz genomic imprinting aus der Perspektive
der Geschlechterforschung. Ein lesenswerter Sammelband mit spannenden
Texten auch von den „grandes dames“ der feministischen Naturwissenschafts-
und Technikforschung.
Bente Knoll
Recodierungen
des Wissens. Stand und Perspektiven der Geschlechterforschung
in Naturwissenschaften und Technik. Hg. von Petra Lucht und Tanja Paulitz.
234 Seiten, Campus Verlag, Frankfurt/New York 2008
EUR 30,80

Die
globalisierte Ungerechtigkeit ist weiblich
Wissenschafterinnen aus A, D, CH und USA präsentieren feministische
Analysen zu transnationalen Prozessen der Exklusion und Inklusion. Drei
thematische Blöcke gliedern das Buch „Geschlechterverhältnisse,
Globalisierung, Sicherheit und internationale Ökonomie. Veränderungen
der Geschlechterverhältnisse im Kontext von Arbeit und Migration.
(Trans)nationale Handlungsansätze in einer globalisierten Welt“.
Die Effekte der Globalisierung auf Geschlechterverhältnisse sind
nicht nur widersprüchlich, sondern für die meisten Frauen
schlicht schlecht – auch, weil wir es im Neoliberalismus mit einer
„Hypermasculine Whiteness in Action“ (Ling) zu tun haben.
Die (leider sehr wissenschaftlich formulierten) Beiträge suchen
makroökonomische, intersektionale und postkoloniale Paradigmen
zu verbinden, um einseitige bzw. privilegierte Blicke zu verhindern.
Wie sehr wir allerdings verstrickt sind in unsere westliche Dominanzposition,
zeigt unbewusst der Beginn der Publikation: „Nicht nur weltweit,
sondern auch in vielen Ländern des globalen Nordens reicht die
Auflösung von Existenzgrundlagen....“. So als ob der Norden
nicht zur Welt gehören würde. In gewisser Weise ist das sogar
wahr.
Birge Krondorfer
Mehrheit
am Rand? Geschlechterverhältnisse, globale Ungleichheit
und transnationale Handlungsansätze. Hg. von Heike Brabandt, Bettina
Roß und Susanne Zwingel. 265 Seiten, Verlag für Sozialwissenschaften,
Wiesbaden 2008 EUR 44,10

Meine Meinung
©Verein Freundinnen der Buchhandlung
Frauenzimmer
Webmasterin: buchhandlung@frauenzimmer.at |